Tag 5 - Reise nach Hogwarts ;)

An diesem Tag klingelte wie immer 7:30 Uhr mein Wecker und lud mich zu einem herrlichen Frühstück aus Pancakes mit Ahornsirup und Früchten ein. Dazu gab es je nach Wahl eine Kanne Tee oder starken Kaffee (seltsamerweise türkischer Art). Die Gastgeber des Kingdom Houses fragten immer wieder, ob alles in Ordnung sei oder wir etwas bräuchten und waren insgesamt sehr nett. Wir aßen in einem Esszimmer, das direkt an ihr Wohnzimmer grenzte, welches nur durch eine verglaste Tür abgetrennt war. Für deutsche Verhältnisse wäre es wohl ziemlich befremdlich, auf der Couch fernzusehen, während nebenan vier mit Gästen vollbepackte Tische standen.

 

Nach dem Frühstück stockten wir erst einmal wieder unsere Lebensmittelvorräte bei ALDI auf, ehe wir uns auf unsere Tour um den „Ring of Kerry“ machten. Dort hieß unser 1. Stopp die Insel Valentia, wo wir sofort von den Wärtern der Insel – zwei streunenden Hunden – in Empfang genommen wurden, die sich quer vor die Autos stellten, als wollten sie jeden Eindringling abwehren. Wir mussten uns hupend und rangierend unseren Weg bahnen, um sie nicht zu überfahren.

 

Im ersten Ort gab es nicht viel bis auf eine niedliche, namenlose Kirche, von der wir schöne Fotos schossen. Danach machten wir uns schon wieder auf in Richtung Leuchtturm, den wir auf einer Karte entdeckt hatten. Zu ihm führte eine Straße, die leider nicht für einen solchen Besucherandrang ausgelegt war. Der entgegen kommende Verkehr war gezwungen auszuweichen, oder sogar den Hang (der zum Leuchtturm steil und kurvig hinunter führte) wieder zurück zu rollen. Mir war dabei mehr als mulmig zumute.

 

Der Ausblick über die Klippen beim Leuchtturm war die Strapazen allerdings wert, auch wenn wir uns den Leuchtturm nicht von innen ansahen, da er Eintritt kostete und uns das Geld ausgeben zu schade für etwas war, von dem wir wussten, dass wir es irgendwo in Irland noch einmal kostenfrei sehen würden. Stattdessen stellten wir das Auto auf einen Platz ganz nahe der steinigen, scharfkantigen Bucht, gegen die das Meer klatschte. Der Wind war beißend kalt, dennoch ließen wir die Autotüren weit offen, während wir uns stärkten und aufs Meer hinaussahen. Hier bekommt das Leben eine ganz andere Bedeutung. Leben oder Sterben. Dazwischen gibt es nichts. Nichts außer kargem Fels, grauem Himmel und dem wütenden Meer.

 

Danach führte unser Weg weiter über so enge, klippennahe Straßen, dass ich beinahe in jeder Kurve eine Herzattacke bekam. Nichts für schwache Nerven! Doch wir kamen unserem Ziel immer näher – dem Aussichtspunkt zum Skellig Michael. Dort war die Schönheit der Natur kaum mehr zu toppen. Bunte Blumen schmiegten sich an die Hänge und während ich mich für einige Fotos in ihrer Mitte niederließ, fragte ich mich, wie etwas so Zartes an so einem rauen Ort so gut gedeihen konnte.

 

Als wir den Ring of Kerry hinter uns ließen, ging es weiter zum Killarney Nationalpark, den wir nur grob durchfuhren, da wir sonst mindestens einen Extra-Tag für seine Erkundung gebraucht hätten. Am Ladies View, einem Aussichtspunkt, legten wir einen kurzen Stopp ein, um aufs Tal hinunter zu blicken und in den zwei dort ansässigen Läden zu bummeln.

 

Nächster Stopp war Muckross House, wo wir das eigentliche Highlight des Tages – die Abtei – erst beim Hinausgehen auf einen Blick auf die Karte des Geländes fanden. Sofort machten wir uns – ungeachtet der baldigen Schließzeit des großen Tores – auf den Weg zurück und liefen 1,5 Kilometer zur Abtei, die nach den Cliffs of Moher mein absolutes Highlight war.

Die vielen alten Treppen, engen Gänge und großen runden Fenster ließen mich sofort an Hogwarts denken. Die Bilder aus Stein in den Wänden machten mich neugierig auf die wahre Geschichte hinter der Abtei. Wer lebte dort und was geschah mit diesen Menschen?

Leider ist im Internet nichts dergleichen herauszufinden, aber ich weiß, irgendwann besorge ich mir englischsprachiges altes Informationsmaterial aus der hiesigen Touristeninformation oder den alten Bibliotheken vor Ort und… wer weiß, vielleicht bietet die Ruine genügend Stoff für eine neue Geschichte 😉

 

Abschluss des Tages war ein kurzer Abstecher nach Ross Castle (Fragt mich nicht, wer dieser Ross war. Wir mussten den ganzen Tag bei jeder Erwähnung des Namens lachen, da er uns an die witzige Figur des Ross Galler aus der Fernsehserie „Friends“ erinnerte)

 

Dies war der erste von unseren großen Erkundungs-Fahrt-Tagen um die südwestlichen Halbinseln und er fühlte sich bereits schon an wie der Sprung von einem fahrenden Zug. Man sieht so viel unglaublich Schönes, so viele Eindrücke und hat keine Zeit, sie alle zu verarbeiten.

 

Wahrscheinlich erhole ich mich davon nie mehr XD Aber das war es allemal wert.