Tag 6 – Zwischen den Sphären

Das Frühstück bestand heute aus kalten Pancakes und saurer Milch, aber ich freute mich so sehr auf unsere Fahrt zum Dromberg Stonecircle, dass ich mir meine Laune dadurch nicht vermiesen ließ. Ich erwartete mir viel Magie und besondere Herzensmomente.

 

Die Fahrt war lang und hindernisreich, was Micha als Fahrer mehr störte als mich, denn für mich war das nur ein Zeichen dafür, dass der Steinkreis uns einige Prüfungen auferlegte, bis wir ihn sehen durften, was wirklich seine Zeit dauerte! Obwohl er sich auf einem freien Feld befinden sollte und wir einen Hang hinauffuhren, konnten wir ihn nirgendwo entdecken und so steigerte sich meine Aufregung ins schier Unermessliche. Auf dem kleinen Parkplatz war schon einiges los und wir folgten einer größeren - und lauten – Reisegruppe einen engen Pfad entlang (hier bekam meine Freude den ersten Dämpfer. Sie verhielten sich wie die typischen schaulustigen Touristen und zerstörten alle Magie in der Luft).

 

So spürte ich diese nur unterschwellig, als der Steinkreis endlich vor mir auftauchte. Zwei ältere Frauen saßen eingemummelt auf einem kleinen Hang, mit einer Thermoskanne Kaffee bewaffnet, und sahen amüsiert dabei zu, wie sich die jungen Poser aus der Reisegruppe im Steinkreis zum Narren machten. Sie drehten Youtube-Videos, eine legte sich sogar auf den Altarstein. Ich fand das alles weniger lustig. Sie benahmen sich, als wären sie allein auf der Welt. Als sie endlich weg waren (nach zwanzig Minuten ca.!!), konnten auch wir noch einige schöne Fotos machen. Doch das war leider schon alles, was ich von Dromberg mit mir genommen habe.

 

Ich versuchte, mich nicht zu sehr meiner Enttäuschung hinzugeben und mich auf den restlichen Tag zu freuen. Dies gelang recht gut, da wir einen traumhaften Ort auf der Mizen-Halbinsel entdeckten – ein so unerwartet schöner Strand, dass Micha – trotz der kalten Windböen und des Regens – in die Wellen der herannahenden Flut (die wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bemerkt hatten) sprang

Zuvor hatten wir zusammen eine kleine Felsnische erkundet, wo ich eine Höhle erhofft hatte. Jetzt, da ich so im Sand saß und auf Micha wartete, fiel mir auf, dass diese plötzlich unter Wasser stand – und das nicht zu knapp. Panisch stand ich auf und winkte Micha zu, dass er aus dem Wasser kommen sollte, was er in seiner gemächlichen Art auch irgendwann tat. Innerhalb der nächsten zehn Minuten hatte sich das Meer den Strand zurückgeholt und wir saßen wieder im warmen Auto.

 

Nun ging es zum süd-westlichsten Punkt Irlands – Mizenhead, wo wir zuerst gemütlich Kaffee tranken und uns dann ein Ticket (7,50 € p.p.) für die Besichtigung des Aussichtspunktes kauften. Von dem befestigten Weg bis zur Brücke gingen einige Aussichtspunkte ab – hier hieß es viel Treppen steigen und gegen die starken Windböen ankämpfen – doch stand man einmal auf einem der Aussichtspunkte, hatte man einen spektakulären Ausblick. Im weiteren Verlauf, lasse ich die Fotos für sich sprechen…

 

Teilweise stand ich direkt auf den Klippen über dem Meer mit dem Gefühl einer trügerischen Sicherheit. Ganz oben, nach Überqueren der Brücke (was ich schnell und ängstlich tat, während Micha das mit den Fotos übernahm XD) wartete eine Leuchtturmanlage auf uns. Wir waren so spät dran, dass die Angestellte schon geschlossen hatte, aber uns zuliebe noch einmal die Türen öffnete.

 

In den Räumen war das Leben der Leuchtturmangestellten von damals sehr schön nachgestellt mit lebensechten Puppen, die am Tisch ein karges Mahl zu sich nahmen oder im Bett ihr Mittagsschläfchen hielten.

 

Der Tag hatte mir am Morgen gezeigt, dass man am größten enttäuscht werden kann, wenn man am meisten erwartet. Dafür wird man aber auch segensreich entlohnt, wenn man leer und offen an Dinge herangeht 😊